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Bei Sonnenschein
Die Sonne scheinet hell und warm,
Als wäre nichts geschehn;
Sie achtet nicht, dass tief in Harm
Zwei Menschenherzen stehn.
Unstete Wolken hin und her
Mir ziehen durch den Sinn,
Und Tropfen fallen heiß und schwer
Auf meine Seele hin.
Die Tränen sind es, die mein Lieb'
In unsern Kuss geweint,
Da's wieder auseinander trieb
Uns, die sich kaum vereint.
Ach, lang genug hat unser Herz
Geschwebt in laut'rer Lust;
Nun ward uns auch der Liebe Schmerz
Recht bitterlich bewusst.
Drei Tage froh - am vierten sank
Aufs Neu' die Freud ins Grab;
Berauscht vom bittern Leidenstrank,
Zieh ich das Land hinab.
Wer achtest's doch, dass tief in Harm
Zwei Menschenherzen stehn?
Die Sonne scheinet hell und warm,
Als wäre nichts geschehn.
Wilhelm Wackernagel 1806-1869
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