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Liebeslied
Mädchen mit dem roten Mündchen,
Mit den Äuglein süß und klar,
Du mein liebes, kleines Mädchen,
Deiner denk ich immerdar.
Lang ist heut der Winterabend,
Und ich möchte bei dir sein,
Bei dir sitzen, mit dir schwatzen,
Im vertrauten Kämmerlein.
An die Lippen wollt ich pressen
Deine kleine, weiße Hand,
Und mit Tränen sie benetzen,
Deine kleine, weiße Hand.
Heinrich Heine 1800-1856
Im Garten
Tritt mein Liebchen in den Garten,
Werden alle Blumen laut;
Grüßend neigen sich die Rosen:
"Sei willkommen, Schwester-Braut!"
Und Maaßliebchen streckt das Köpfchen
Aus dem frischbethauten Gras:
"Seine Liebe wollt' ich messen, -
Treue Liebe hat kein Maaß."
Und die Myrthe heimlich flüsternd
Spricht: "Ich wachse Tag für Tag,
Daß man bald aus meinen Zweigen
Dir ein Kränzlein flechten mag."
Und es mahnt die Epheuranke:
"Flüchtig ist der Rose Blühn,
Schnell verwelkt das Laub der Myrthe,
Treue Lieb' ist immer grün."
Julius Sturm 1816-1896
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