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Im
Frühling
Hast du ein krankes Herz zu hüten,
Für das du liebevoll erglüht,
Dann streut der Lenz mit seinen Blüten
Dir kein Entzücken ins Gemüt.
Denn wenn Natur in trunk'ner Feier
Der Erde heit're Kinder wiegt,
Dann fühlst du schmerzlicher den Schleier,
Der deine Seele überfliegt.
Ringsum ein wolkenlos Behagen,
Die würzig linden Lüfte wehn,
Du möchtest diesen gold'nen Tagen
Recht lang und tief ins Auge sehn.
Dann schaust du dir zur Seite wieder
Das arme Herz, von Gram zerstört,
Das aus dem Jubel dieser Lieder
Nur seine eignen Klagen hört.
Rasch muss dein frischer Puls ermatten,
Erblassen deiner Sonne Schein.
Du lässt es nimmer bei den Schatten
Mit seinem stummen Schmerz allein.
Denn treue Liebe muss es hüten,
Dass es vor herbem Gram nicht bricht.
Anklopft der Lenz mit seinen Blüten,
Ihr öffnet ihm die Pforte nicht.
Rudolf von Gottschall 1823-1909
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