| |
Im holden
Mond des Maien
Im holden Mond des Maien,
Wenn lichte Blumen blühn,
Geflügelte Schalmeien,
Die Waldesnacht durchziehn,
Da hebt sich eine Scholle,
Die Liebe lauscht hervor,
Ob noch der Winter grolle,
Noch laut der Stürme Chor.
Sieht grün sie nun die Weite,
Erträgt sie`s nicht im Haus,
Sie fliegt auf Spiel und Beute
Gleich andern Vögeln aus.
Doch friert es etwa nächtig,
Sucht sie der Menschen Dach
Und schürt ein Feuer mächtig
In jungen Herzen wach.
Franz Grillparzer 1791-1872
Liebe
Was die Liebe kann begehren,
Liebe kann es frei gewähren.
Was von Liebe ward verschuldet,
Gern von Liebe wird's geduldet.
Alles Fehlen, alles Irren,
Liebe weiß es zu entwirren;
Trägt mit seliger Gebärde
Alle Not und Schuld der Erde.
Am Geliebten jeden Flecken
Weiß sie sorgsam zu verdecken.
Ja, ihn völlig frei zu sprechen,
Lächelnd teilt sie sein Verbrechen.
Robert Prutz 1816-1872
|
|
|
|