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Gebet am
Hochzeitstage
Herr! Herr, der du alles wohl gemacht,
ich will nicht, was nicht du willst schenken.
Du machst es nicht, wie wir's gedacht;
du machst es beßer, als wir's denken.
Mich geb' ich hier in deine Hand,
daß du mich meiner Liebsten gebest.
Du hast geschlungen dieses Band,
o daß du's immer fester webest!
O ziehe nicht die Hand zurück,
die du zum Heil mir ausgestrecket!
Du leitest mich zu meinem Glück;
gib, daß dazu kein Weg mich schrecket.
Soll ich mit ihr auf Rosen geh'n?
Den Dornenpfad? Ich geh' in Frieden.
Und sollen wir getrennet steh'n,
laß uns im Himmel ungeschieden!
Friedrich Rückert 1788-1866
O du, vor dem
die Stürme schweigen.
O du, vor dem die Stürme schweigen,
Vor dem das Meer versinkt in Ruh,
Dies wilde Herz nimm hin zu eigen
Und führ' es deinem Frieden zu:
Dies Herz, das ewig umgetrieben
Entlodert allzurasch entfacht,
Und ach, mit seinem irren Lieben
Sich selbst und andre elend macht.
Entreiß es, Herr, dem Sturm der Sinne,
Der Wünsche treulos schwankem Spiel;
Dem dunkeln Drange seiner Minne,
Gieb ihm ein unvergänglich Ziel;
Auf daß es, los vom Augenblicke,
Von Zweifel, Angst und Reue frei,
Sich einmal ganz und voll erquicke
Und endlich, endlich stille sei.
Emanuel Geibel 1815-1884
Emanuel
Geibel
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