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Abendgang
Durch die kühle Herbstesmondnacht
Sind wir stumm dahin geschritten,
Träumrisch-stille lag das Städtchen
Mit dem Kirchlein in der Mitten.
In den niedern Giebelhäusern
Ist kein müdes Auge munter,
Nur der Türmer schaut von droben
In die klare Nacht hinunter.
Lass und wandeln, süßes Liebchen,
Holdumschlungen, ohne Zaudern,
Nimmer wird's der gute Alte
Unsern bösen Nachbarn plaudern.
Was er unten hier erlauschte,
Seinen Glocken wird er's sagen,
Und die werden's morgen frühe
Weit in fremde Lüfte tragen.
Bernhard Endrulat 1824-
Lied
Wenn still mit seinen letzten Flammen
Der Abend in das Meer versank,
Dann wandeln traulich wir zusammmen
Am Ufer in dem Buchengang.
Wir sehn den Mond durch Wolken steigen,
Wir hören fern die Nachtigall;
Wir atmen Düfte; doch wir schweigen --
Was soll der Worte leerer Schall?
Das höchste Glück hat keine Lieder,
Der Liebe Lust ist still und mild,
Ein Kuss, ein Blicken hin und wieder, --
Und alle Sehnsucht ist gestillt.
Emanuel Geibel 1815-1884
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