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Heimliches Glück


Lass im Geheim mich zu dir kommen,
Lass im Geheim mich von dir gehn,
Ach, unsrer Liebe kann's nicht frommen,
Dass andre noch uns glücklich sehn.

Stumm sei dein Mund, dein Blick verschweige,
Wie weit sich unser Herz verlor,
Die Insel unsres Glückes steige
Aus unentdecktem Meer empor.

Ist Liebe doch die Frucht aus Eden,
In Einsamkeit gepflückt von Zwei'n;
Das fremde Auge eines Jeden
Kann hier ein Schlangenaug' nur sein!

Braucht's keine Seele zu erfahren,
Wie einst in Liebe schön entflammt,
Zwei Menschenherzen selig waren,
Trotz einer Welt, die sie verdammt!

Alfred Meißner 1822-1885

Lied

Wenn still mit seinen letzten Flammen
Der Abend in das Meer versank,
Dann wandeln traulich wir zusammen
Am Waldgestad im Buchengang.

Wir sehn den Mond durch Wolken steigen,
Wir hören fern die Nachtigall,
Wir athmen Düfte, doch wir schweigen -
Was soll der Worte leerer Schall?

Das höchste Glück hat keine Lieder,
Der Liebe Lust ist still und mild;
Ein Kuß, ein Blicken hin und wieder,
Und alle Sehnsucht ist gestillt.

Emanuel Geibel 1815-1884


 Liebesglück
 Seite 2  von 6 Seiten
 Inhalt
1. Zusammenstreffen
 2. Heimliches Glück
 3. Morgenständchen
 4. Mitternacht
 5. Abendgang
 6. Mondes Liebe








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