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Morgenständchen
Steh auf und öffne das Fenster schnell,
Es lacht der Morgen so frisch und hell,
Und unten im kleinen Garten,
Sind Leute, die deiner warten.
Die Veilchen kamen über Nacht,
Hoffärtig breit sich die Tulpe macht,
Und träumend auf und nieder
Schwankt schon der blaue Flieder.
Die Ärmsten haben keine Ruh',
Sie blicken zum Fenster immerzu,
Sie glauben nicht an des Lenzes Wehen,
Bis sie die holde Rose gesehen.
Albert Träger 1830-1912
Der Abschied
Laß
mein Aug' den Abschied sagen,
Den mein Mund nicht nehmen kann!
Schwer, wie schwer ist er zu tragen!
Und ich bin doch sonst ein Mann.
Traurig wird in dieser Stunde
Selbst der Liebe süß'stes Pfand,
Kalt der Kuß von deinem Munde,
Matt der Druck von deiner Hand.
Sonst, ein leicht gestohlnes Mäulchen,
O wie hat es mich entzückt!
So erfreuet uns ein Veilchen,
Das man früh im März gepflückt.
Doch ich pflücke nun kein Kränzchen,
Keine Rose mehr für dich.
Frühling ist es, liebes Fränzchen,
Aber leider Herbst für mich!
Johann Wolfgang von Goethe 1749-1832
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