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Die
Brautnacht
Es hat geflammt die ganze Nacht
Am hohen Himmelsbogen,
Wie eines Feuerspieles Pracht
Hat es die Luft durchflogen.
Und nieder sank es tief und schwer
Mit ahnungsvoller Schwüle;
Ein dumpfes Rollen zog daher
Und sprach von ferner Kühle.
Da fielen Tropfen warm und mild,
Wie lang erstickte Tränen;
Die Erde trank, doch ungestillt
Blieb noch ihr heißes Sehnen.
Und sieh, der Morgen steigt empor –
Welch Wunder ist geschehen?
In ihrem vollen Blütenflor
Seh ich die Erde stehen.
O Wunder, wer hat das vollbracht?
Der Knospen spröde Hülle,
Wer brach sie auf in einer Nacht
Zu solcher Liebesfülle?
O still, o still, und merket doch
Der Blüten scheues Bangen!
Ein roter Schauer zittert noch
Um ihre frischen Wangen.
O still, und fragt den Bräutigam,
Den Lenz, den kühnen Freier,
Der diese Nacht zur Erde kam,
Nach ihrer Hochzeitfeier.
Wilhelm Müller 1794-1827
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