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Was
ist die Liebe?
Wie oft du geweilt bei der
Süßen, Schönen,
Stets klopfenden Herzens zu ihr sich sehnen!
Wie oft dein Aug' an ihr geahngen,
Stets glühend wieder nach ihr verlangen.
Wie oft du sie küssend durftest umwinden,
Stets tiefere Leidenschaft empfinden.
Wenn dir's gesagt ist, sie zu sehen,
In innigem Herzeleid vergehen.
Und jede Sekunde verloren achten,
Wo ihre Augen dir nicht lachten.
Im Glück selbst ein Sehnen fühlen,
Durch keine holde Gunst zu kühlen,
Und Herz an Herz, im höchsten Entzücken
In ihr noch ein fernes Gut erblicken,
Ein Ideal, der Sonne vergleichbar,
Stets unerreicht und unerreichbar.
Das ist die Liebe, die Krone des Strebens,
Die höchste Wonne des Erdenlebens.
Melchior Meyr 1810-1871
Vom Himmel
ist ein heller Stern
Vom Himmel ist ein heller Stern gefallen,
In einem See ist leuchtend er versunken,
Verlodert ist der gold'ne Himmelsfunken,
Und Wellen leise rauschend drüber wallen.
Doch Blüten schickt er aus den Flutkristallen,
Sie blicken still, von süßer Sehnsucht trunken,
Nach ihren Brüdern, die im Äther prunken
Und selig wandern durch azurne Hallen.
So sank die Liebe in des Menschen Leben
Und schmückt es froh mit tausend Blütensprossen,
Die aus der eignen Brust zu Tage streben.
Sie sehnt sich nach den alten Lichtgenossen,
Doch fühlt sie Himmelsklänge um sich schweben,
Wo Herzen sind, von stillem Licht umflossen.
Max Waldau 1822-1855
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