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Liebe und Leid
So sitz ich an des Hügels Hang,
Der Himmel ist so klar,
Das Lüftchen spielt im grünen Tal,
Wo ich beim ersten Sonnenstrahl
Einst, ach so glücklich war.
Wo ich an ihrer Seite ging,
So traulich und so nah,
Und tief im dunklen Felsenquell
Den schönen Himmel blau und hell
Und sie im Himmel sah.
Sieh, wie der bunte Frühling schon
Aus Knosp und Blüte blickt!
Nicht allle Blüten sind mir gleich,
Am liebsten pflück ich von dem Zweig,
Von welchem sie gepflückt.
Denn alles ist wie damals noch,
Die Blumen, das Gefild',
Die Sonnne scheint nicht minder hell,
Nicht minder freundlich schwimmt im Quell
Das blaue Himmelsbild.
Es wandeln nur sich Will' und Wahn,
Es wechseln Luft und Streit;
Vorüber fließt der Liebe Glück,
Und nur die Liebe bleibt zurück,
Die Lieb' und ach, das Leid!
O wär ich doch das Vöglein nur
Dort an dem Wiesenhang!
Dann blieb ich auf den Zweigen hier
Und säng ein süßes Lied von ihr
Den ganzen Sommer alng.
Ernst Schulze 1789-1817
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