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Ungehorsam
O ich bin krank, ich möchte weinen,
Mein armes Herz zerbricht vor Qual;
Doch muss ich still und fröhlich scheinen,
Weil es mein Liebster mir befahl.
Er hielt zum Abschied mich umschlungen,
Er sah mir bittend ins Gesicht,
Und zärtlich, wie mit Engelsszungen,
Sprach er: mein Mädchen weine nicht!
Da schwand er hin! Zurückgelassen
Streckt ich die Arme in die Luft --
Umsonst! Ich konnt ihn nicht erfassen,
Uns trennt wohl eine weite Kluft.
Nun ist inmitten mir der menge
Wie einer Träumenden zu Sinn,
Ich gehe schweigend meine Gänge
Und lächle, weiß kaum, wo ich bin.
Nur Mitternachts, bis an den Morgen,
Von allen Menschen ungehört,
Dann in die Kissen tief verborgen,
Damit mein Schluchzen keiner stört,
Dann mein gepresstes Herz entlad ich,
In einer heißen Tränenflut,
Dann weinend meine Locken bad ich,
An denen er so oft geruht.
Er wird es ja nicht gleich erfahren,
Dass ich ihm ungehorsam war,
Auch soll er nimmer es gewahren,
Wenn er zurückkommt übers Jahr.
Und, o ich glaube, wenn er's wüsste,
Er zürnte mir ja dennoch nicht -
Er ist so gut! Er käm' und küsste
Die Träne mir vom Angesicht.
Robert Ernst Prutz 1816-1872
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