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Du Ring an
meinem Finger
Du Ring an meinem Finger,
Mein goldenes Ringelein,
Ich drücke dich fromm an die Lippen,
Dich fromm an das Herze mein.
Ich hatt ihn ausgeträumet,
Der Kindheit friedlich schönen Traum,
Ich fand allein mich, verloren
Im öden, unendlichen Raum.
Du Ring an meinem Finger
Da hast du mich erst belehrt,
Hast meinem Blick erschlossen
Des Lebens unendlichen, tiefen Wert.
Ich werd' ihm dienen, ihm leben,
Ihm angehören ganz,
Hin selber mich geben und finden
Verklärt mich in seinem Glanz.
Du Ring an meinem Finger,
Mein goldenes Ringelein,
Ich drücke dich fromm an die Lippen
Dich fromm an das Herze mein.
Adelbert von Chamisso (1781-1838)
Sehnsucht
Meine Sehnsucht hat so weiche Schwingen,
Daß sie nur für Zephyrwellen taugen,
Hat so märchen-märchentiefe Augen,
Daß sie bis zum letzten Himmel dringen.
Meine Sehnsucht kommt an Frühlingstagen,
Wie ein Hauch die Stirne mir zu küssen,
Kommt ein Wörtlein mir ins Ohr zu sagen,
Daß sich meine Lider senken müssen.
Und das Wörtlein hat nicht Sinn noch Kunde,
Aber ist so seltsam süß im Klange,
Und mein Herz vergeht im Überschwange,
Und zum Seufzer wird der Hauch im Munde ...
Hugo Salus (1866-1929)
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